Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin e.V. ist es eine besondere Freude, alle Teilnehmenden zum ersten DKMK- Kongress zu begrüßen, der einen wichtigen Meilenstein für unser Fach markiert.
Dieser Kongress zeigt, wie sehr sich die Katastrophenmedizin in Deutschland fachlich, strukturell und in ihrer Wahrnehmung weiterentwickelt hat – und wie groß der gemeinsame Wille ist, die Versorgung im Ausnahmezustand systematisch zu stärken. Im Zentrum stehen dabei klinische und präklinische Katastrophenmedizin, die Verzahnung von Krankenhaus, Rettungsdienst und öffentlichem Gesundheitsdienst sowie die Frage, wie Behandlungsstrategien im Massenanfall von Verletzten und Erkrankten unter knappen Ressourcen tragfähig und ethisch verantwortbar gestaltet werden können.
Ein besonderer Fokus liegt auf Gefahrstoffen und CBRN-Lagen, in denen medizinische, taktische und sicherheitsrelevante Aspekte eng verzahnt gedacht werden müssen. Hier bietet der Kongress Raum, aktuelle Konzepte, Erkenntnisse aus Übungen und Einsätzen sowie neue Schutz- und Dekontaminationsstrategien zu diskutieren. Eng damit verbunden ist das Thema Sichtung, das als zentrales Werkzeug der Katastrophenmedizin im Programm aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird – von algorithmusbasierten Ansätzen über praktische Umsetzung in chaotischen Lagen bis hin zu rechtlichen und ethischen Fragestellungen.
Die Ausbildung in der Katastrophenmedizin ist ein weiterer tragender Pfeiler des Kongresses: Von curricularen Ansätzen im Studium über Weiterbildung und Fortbildung bis hin zu interprofessionellen Trainingsformaten werden Wege aufgezeigt, wie künftige Generationen von Fachkräften auf Großschadenslagen vorbereitet werden können. Digitale Innovationen – etwa Entscheidungsunterstützungssysteme, Lagedarstellung, Simulation, Telemedizin und KI-gestützte Auswertung – eröffnen neue Möglichkeiten, Planung, Einsatzführung und Versorgung im Ernstfall zu verbessern und werden auf dem Kongress praxisnah präsentiert und kritisch reflektiert.
Großveranstaltungen und Massenansammlungen bilden ein Themenfeld, in dem Prävention, Planung, Crowd-Management und medizinische Vorbereitung untrennbar zusammengehören. Der Kongress ermöglicht den Austausch über bewährte Konzepte, Herausforderungen und Lessons Learned aus Sportereignissen, Konzerten oder Demonstrationen. Ebenso werden EMT und die internationale Katastrophenmedizin beleuchtet: Einsätze in Krisen- und Katastrophengebieten, internationale Standards, Koordination und die Einbindung deutscher Strukturen in globale Hilfssysteme zeigen, wie sehr die Katastrophenmedizin national und international zusammengehört.
Besonderen Mehrwert bieten Fallberichte aus dem In- und Ausland, die reale Ereignisse, Fehler, Erfolgsfaktoren und Überraschungen offenlegen und damit einen ehrlichen, lernorientierten Blick auf das Handeln im Ausnahmezustand ermöglichen. Politik und Rahmenbedingungen werden – etwa in Form von Podiumsdiskussionen – einbezogen, um mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern über Gesetzgebung, Finanzierung, Strukturen, Verantwortlichkeiten und strategische Prioritäten ins Gespräch zu kommen. Die zivil-militärische Zusammenarbeit schließlich verdeutlicht, wie wichtig abgestimmte Verfahren, gemeinsame Übungen und gegenseitiges Verständnis sind, um im Ernstfall Kräfte zu bündeln und Versorgungsketten zu stabilisieren.
All diese Themen machen den DKMK zu einem lebendigen Forum, das Wissenschaft, Praxis und Strategie miteinander verbindet und Akteurinnen und Akteure aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenführt. Verbunden mit großem Dank an alle, die diesen Kongress vorbereitet und mitgestaltet haben, richtet sich die Einladung an alle Teilnehmenden, diese Plattform aktiv zu nutzen: für offenen Austausch, kritische Fragen, mutige Ideen und verlässliche Vernetzung – im gemeinsamen Bestreben, die Katastrophenmedizin in Deutschland und darüber hinaus weiter zu stärken.
PD Dr. med. Andreas Follmann